Die Auslese der Besten

Psycho-Tests, Rollenspiele und Gruppen-Diskussionen: Groe Unternehmen setzen bei der Auswahl von Fhrungspersonal auf Assessment Center. Doch wie soll sich ein Bewerber in den Runden am besten verhalten?

Das einzige, was Thomas Burgraf ber ein Assessment Center wei, ist keine angenehme Sache. Man wird die ganze Zeit von mehreren Leuten beobachtet, sagt der Student fr Maschinenbau der Hochschule Niederrhein. Aber worauf diese Leute achten, davon hatte der 24-Jhrige bis vergangenen Samstag keine Ahnung. Muss ich irgendwelche Angewohnheiten abstellen?

Das Assessment Center ist bei sehr groen Unternehmen als Auswahl-Verfahren fr neues Fhrungspersonal noch immer sehr beliebt. Es gibt zwar keine groe Auswahl an entsprechend qualifiziertem Personal, aber diejenigen, die es gibt, werden oft stunden-, manchmal tagelang in einem Assessment Center durchleuchtet. Bis zu 30 Teilnehmer sitzen in dem Casting, die Personalberater der Firmen stellen Aufgaben und beobachten jede einzelne Regung der Bewerber. Im Assessment Center geht es nicht darum, wer was kann. Sondern wer man ist.

Vorstellungsrunde als Test

Am Wochenende trainierten Studenten und Gste der Hochschule Niederrhein diesen Ernstfall. Professor Dr. Karsten Toemmler-Stolze und sein ehemaliger Student Christian Richter (28), Inhaber einer gemeinsamen Personal-Agentur, leiteten das Assessment-Center-Training. Gestern war ja Campus-Fest. Wer war da?, fragt Karsten Toemmler. Zehn Sekunden sagt keiner etwas. Ist das der erste Test?

Im Prinzip ja. Jedes beobachtbare Verhalten wird getestet. Dazu gehrt schon die Vorstellungsrunde. Das gehrt zu Fhrungskompetenz. Wenn ich auf Geschftsreise bin, muss ich mich ziemlich oft vorstellen, mahnt Karsten Toemmler. Es folgen Rollenspiele, Gruppendiskussionen, Fallstudien, Planspiele und psychologische Tests.

Auf den ersten Blick haben die hufig wenig mit den fachlichen Anforderungen zu tun. Wer zum Assessment Center eingeladen wird, hat die schon nachgewiesen. Jetzt geht es um die Persnlichkeit. Die so genannten Soft Skills entscheiden darber, wer den Job bekommt.

Schon nach der Vorstellungsrunde merkt Karsten Toemmler: Einige Studenten sind ziemlich nervs, obwohl das nur eine bung ist. Nervositt ist kein Problem. Ich empfehle sogar: Sagt es den Gesprchspartnern. Die nehmen das nmlich oft gar nicht wahr, sagt Karsten Toemmler.

Eine wichtige Frage: Wie viel Ellbogen muss man in einem Assessment Center zeigen? Karsten Toemmler ist berzeugt, dass man es auf keinen Fall bertreiben darf: Die betriebliche Realitt sieht anders aus. Man wnscht sich Kooperation, weil man viel in Teams arbeitet. Soziales Verhalten oder gar Hilfe fr Andere, ohne sich von der eigentlichen Aufgabe ablenken zu lassen, bringen Pluspunkte.

Nach acht Stunden verlieen die Studenten die bung. Nun wei Student Thomas Burgraf auch eine Antwort auf seine Frage: Sich zu verstellen bringt nicht allzu viel. Zwei Tage geht das gut, mahnt Karsten Toemmler. Dann hat man vielleicht den Job, weil man sich den Anforderungen angepasst hat. Aber man kann sich nicht jahrelang verstellen.





Pressemitteilung Rheinische Post, 10/06/2008