Fachkrftemangel befeuert Headhunter-Branche

Der Ingenieurmangel in Deutschland nimmt mittlerweile bedrohliche Ausmae an. Mancher spricht schon von einer Abschwchung des Wirtschaftswachstums, weil sich hierzulande nicht gengend Fachkrfte finden. Doch eine Branche profitiert von der Knappheit und

Sie jagen Kpfe, genauer gesagt die besten Kpfe im Land. Seitdem die Industrie ber zunehmenden Fachkrftemangel klagt, sind Headhunter gefragt wie nie zuvor. Erst im vergangenen Jahr konnte die Personalberaterbranche, wie sie sich lieber nennt, ihren Umsatz auf ein neues Allzeithoch von 1,4 Milliarden Euro steigern ein ppiges Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Manche Bewerbermrkte seien inzwischen regelrecht leer gefegt, berichtet Joachim Staude, der Vizeprsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Und wenn es schwierig wird, werden wir gefragt. Das sei in den vergangenen Jahren vor allem in der Ingenieursbranche der Fall gewesen. Aber auch in Beratungs- und Dienstleistungsberufen tten sich die Unternehmen zunehmend schwer, geeignete Kandidaten selbst zu finden, sagt Staude. Der Krieg um die Talente sei in vollem Gange.

Davon profitieren knne zum Beispiel der Nachwuchs, ist Karsten Toemmler-Stolze berzeugt. Schlielich wollten sich die Unternehmen immer frher die Dienste potenzieller Fhrungskrfte sichern. Wenn wir eine Stelle besetzen sollen, finden wir innerhalb von drei Wochen einen geeigneten Kandidaten, der schlielich auch unterschreibt, berichtet der Hochschulprofessor, der vor anderthalb Jahren eine Personalberatungsfirma eigens fr Hochschulabsolventen gegrndet hat.

Beim BDU geht man von Suchzeiten zwischen acht und zwlf Wochen aus, auf engen Mrkten knnten es auch vier bis fnf Monate werden. Meist werden Fhrungs- oder Fachkraftpositionen besetzt, da ist der Kreis der geeigneten Kandidaten stark beschrnkt, sagt Staude zur Begrndung.
Zudem sei es seit der Wirtschaftsflaute Anfang des Jahrtausends schwieriger geworden, Angestellte von einem Arbeitsplatzwechsel zu berzeugen. Viele schtzen die Sicherheit des aktuellen Arbeitsplatzes und scheuen vor einem Schritt ins Unbekannte zurck, beschreibt der BDU-Vize die Situation. Dies habe sich auch mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nicht gendert. Hinzu kmen die steigenden Benzinpreise, die auch Wechselwillige davor zurckschrecken lieen, einen neuen Arbeitsplatz anzunehmen, der weiter entfernt sei.

Wegen der schwierigeren Bedingungen suchten Headhunter zunehmend auch im Ausland nach geeigneten Fachkrften, sagt Staude. Vor allem in Osteuropa finden wir Leute, die gerne in Deutschland arbeiten mchten. Doch selbst dort gestalte sich die Suche derzeit schwieriger als noch vor einigen Jahren. Die Lhne sind auch im Osten gestiegen, da ist der Anreiz, ins Ausland zu gehen und sein gewohntes Umfeld zu verlassen, nicht mehr so gro wie frher.

Doch trotz der zunehmenden Probleme bei der Suche nach geeigneten Kandidaten rechnet die Personalberaterbranche auch fr das laufende Jahr mit guten Geschften. Nach einer Studie des BDU gehen die Headhunter davon aus, dass ihre Umstze 2008 erneut um 15 Prozent auf dann 1,6 Milliarden Euro steigen werden. Dass der Optimismus nicht noch grer ausfalle, heit es in der Studie, liege vermutlich an der Unsicherheit ber die Auswirkungen der US-Finanzkrise. Dadurch befrchte die Branche, dass knftig wieder weniger Personal gesucht und eingestellt werden knnte.





Pressemitteilung Welt Online, 20/06/2008