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Vom Hrsaal zum Headhunter

Im Kampf um die besten Kpfe spezialisieren sich Personalberater auf Uni-Absolventen

Zeitungen lesen, Stellenanzeigen durchforsten und im schlimmsten Fall ein ganzes Bndel Bewerbungen schreiben: Bis vor wenigen Jahren war die Stellensuche fr frischgebackene Akademiker alles andere als komfortabel. Heute ist es fr Absolventen deutlich leichter geworden, einen gelungenen Berufsstart hinzulegen. Die anziehende Konjunktur aber auch die immer lter werdende Gesellschaft sind magebliche Faktoren, die die Jobsuche fr Universittsabgnger vereinfacht sagt Karsten Toemmler-Stolze, Professor fr Personalwirtschaft an der Hochschule Niederrhein.

Doch nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen es den jungen High Potentials leicht, die ersten Sprossen der Karriereleiter zu erklimmen. Auch die Recruitingmethoden der Unternehmen haben sich in de vergangenen Jahren massiv verndert: Sie sind zielgerichteter und effektiver geworden.

Unternehmen die im neuaufgelegten Kampf um die besten Nachwuchskrfte bestehen wollen, kommen derzeit gar nicht umhin, ihren Aktionsradius beim Recruiting zu erweitern, sagt Professor Toemmler-Stolze. Lngst haben sich neben den klassischen Zeitungsanzeigen auch Online-Brsen oder die Homepage des eigenen Unternehmens als gute und vor allem preiswerte Plattformen bewhrt, um Bewerber auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen.

Betriebe, die nicht nur ihre Kosten, sondern auch ihren Arbeitsaufwand optimieren wollen, gehen noch einen Schritt weiter: Sie setzen auf professionelle, externe Untersttzung. Statt mit einer einzigen Stellenanzeige eine wahre Bewerberflut auszulsen, aus der es dann in mhseliger Einzelarbeit den geeigneten Kandidaten herauszufiltern gilt, nutzen diese Firmen die Dienste von Personalberatungen, um den passenden Bewerber fr eine Vakanz zu finden. Was im Bereich der Fach- und Fhrungskrfte lngst schon Usus ist, setzt sich nun auch beim Recruiting von Berufseinsteigern durch, so Toemmler-Stolze. ganz unbeteiligt ist er selbst an dieser Entwicklung nicht.

Vor zwei Jahren hat der Hochschulprofessor, der vor seiner Universittslaufbahn als Personaler in der Industrie gearbeitet hat, seine eigene Personalberatung in Dsseldorf gegrndet: Select if. Das Besondere: Whrend herkmmliche Headhunter mit Absolventen im Allgemeinen nur wenig anfangen knnen und deren Vermittlung eher nebenbei erledigen, hat dich Select if auf Berufseinsteiger spezialisiert und hat damit eine echte Marktnische entdeckt.

Die Idee unserer Angebots ist darauf ausgelegt, dass sowohl Bewerber als auch Unternehmen von der vernderten Marktsituation profitieren, erlutert Christian Richter, Co-Gnder von Select if. Dass bislang vor allem mittelstndische Unternehmen die Dienste der Beratung in Anspruch nehmen, sei da kein Widerspruch. Viele Absolventen denken bei der Stellensuche oft vor allem an die ganz groen Namen wie BMW oder Siemens, so Richter. Die Global Player seien vom derzeitigen Fachkrftemangel daher noch nicht so stark betroffen wie der Mittelstand. Dabei bten sich dort gerade fr Berufseinsteiger beste Entwicklungschancen. Richter: Durch die Absolventenvermittlung erhalten Bewerber auch Angebote, auf die sie vielleicht nie gestoen wren, umgekehrt lernen Unternehmen Kandidaten kennen, die sich womglich nie bei Ihnen vorgestellt htten. Dass dieses Konzept sich auch in der Praxis bewhrt, besttigen die Erfahrungen der Kunden. Andreas Faut ist Personalentwickler der Firma Weidmller. Das Detmolder Unternehmen arbeitet im Bereich der elektrischen Verbindungstechnik. Weltweit sind derzeit 3500 Mitarbeiter fr den Betrieb im Einsatz. Bedarf an qualifizierten Nachwuchs gibt es stndig. Alleine in den kommenden zwei Jahren werden wohl an die 200 Ingenieurstellen zu besetzen sein. Von sich aus kommen allerdings nur die wenigsten angehenden Fhrungskrfte auf die Idee, die ausgetretenen Karrierepfade zu verlassen.

Wir versuchen bereits whrend des Studiums, etwa durch die Frderung von Diplomarbeiten, Kontakte zu den angehenden Absolventen zu knpfen und Interesse fr den Mittelstand zu wecke. Erlutert Personaler Faut. Das Hochschulmarketingkonzept des Unternehmens geht aber noch deutlich weiter: Die ende Zusammenarbeit mit diversen Hochschulen ist davon ebenso umfasst wie etwa die Vergabe von Stipendien an Ingenieurstudenten.

Fr das Recruiting setzt man Weidmller neben den eigenen Kontakten aber auch auf die Erfahrung externer Berater wie etwa die Absolventenvermittler aus Dsseldorf. Schlielich geht es nicht nur darum, freie Stellen fr eine absehbare Zeit mit einem passenden Kandidaten zu besetzen, sondern darum, Mitarbeiter zu finden, die sich systematisch zu Fhrungskrften aufbauen lassen.

Damit sich ein Absolvent statt fr einen groen Namen fr einen Mittelstnder entscheidet, bedarf es natrlich eine gewissen Vertrauens so Berater Richter. Und wenn es darum geht, einen Absolventen fr die Vorteile des Mittelstandes zu begeistern, kann es durchaus von Vorteil sein, wenn ein externer Spezialist zwischengeschaltet ist, der nicht in eigener Sache unterwegs ist.

Personaler Faut schtz zudem die Synergieeffekte, die sich aus der Zusammenarbeit ergeben Der Vorteil besteht darin, dass sich die eigenen Kontakte mit dem Netzwerk der Beratung verknpft. Die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Bewerber zu finden, liegt daher deutlich hher als beim traditionellen Recruiting, das nur auf eine Komponente setzt.

Um die Trefferquote weiter zu erhhen, nutzt Select if verscheidende Methoden, um Job und Bewerber zusammenzubringen. Einerseits gehen die Berater aktiv auf die Jungakademiker zu. Die initiative kann aber auch aus der entgegengesetzten Richtung kommen, etwa wenn ein Unternehmen Bewerber mit einen ganz besonderen Profil bentigt. Dieses Konzept scheint sich bewhren.

Von den Nachwuchskrften, die wir bislang eingestellt haben, sind bis auf eine Ausnahmen alle noch in Lohn und Brot, freut sich Personaler Faut. Auch das Ziel die angehenden Fhrungskrfte lnger als die sonst blichen zwei bis drei Jahre ans Unternehmen zu binden, hat seine Firma bislang stets erreicht.





Pressemitteilung Handelsblatt, 03/03/2008