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Duzen in Stellenanzeigen

Abschreckend statt ansprechend?

Immer wieder taucht in Stellenausschreibungen ein vertrautes Du auf. Die Motivation von Personalern, die fr solche Stellenanzeigen verantwortlich sind, kann sehr verschiedenen sein. Whrend es einigen darum geht, gezielt junge Menschen anzusprechen, bemhen sich andere mit der informellen Anrede um eine lockere Atmosphre. Oft hat dieser lobenswerte Ansatz jedoch den gegenteiligen Effekt: Viele Interessenten fhlen sich vom Du abgeschreckt.

Das Du bricht mit Erwartungen


Im Deutschen gilt das Siezen als Standard im hflichen Umgang. Es signalisiert eine Distanz, die durchaus nicht nur negativ sein muss denn eine angemessene Distanz kann auch einen respektvollen Umgang signalisieren. Potenzielle Bewerber erwarten von einer Stellenausschreibung in der Regel, dass sie frmlich gehalten ist. Das Sie gehrt in diesem Kontext fr viele einfach dazu. Taucht in einer Ausschreibung pltzlich die vertrautere Anrede auf, fhlen sich viele Interessenten verunsichert. Das Du in Anzeigen ist fr viele immer noch eine Neuheit, mit der sie nicht umzugehen wissen.

Dies gilt vor allem fr Bewerber, die bereits mehrjhrige Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt gesammelt haben. Zum Teil fhlen sie sich nicht angesprochen oder nicht ernst genommen. Wenn die Zielgruppe aus Jugendlichen besteht oder die Stellenausschreibungen fr ein junges Startup gedacht sind, kann der Bruch mit Erwartungen jedoch sogar positiv wirken.

Die Studie Employer Telling: Edition Stellenanzeige zeigt, dass 50.000 der ausgewerteten 120.000 Online-Ausschreibungen auf das Du zurckgreifen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die Zielgruppe von Online- Stellenausschreibungen eine andere sein kann, als bei Ausschreibungen im Printbereich.

Erst einmal kennenlernen


Einige Bewerber fhlen sich vom Du berrumpelt, da sie noch nicht Teil des Unternehmens sind. Im beruflichen Alltag ist es vollkommen normal, dass sich Kollegen untereinander duzen. Laut einer Umfrage von Careerbuilder greifen ber 70 % der Angestellten zum Du. Im Bewerbungsprozess hat es der Interessent jedoch fr gewhnlich mit (spteren) Vorgesetzten zu tun. Dieselbe Befragung zeigt ein geteiltes Bild im beruflichen Alltag: Rund die Hlfte der befragten Angestellten gab an, auch ihre Vorgesetzten zu duzen.

Die Akzeptanz fr ein freundliches Sie ist dennoch hher als fr das Du. Nur 9,6 % gaben gegenber Careerbuilder an, sie wrden sich gern mit allen duzen, die zum Unternehmen gehren Vorgesetzte inklusive.

Das Du bringt die Beteiligten auf Augenhhe oder doch nicht?


Ein hufiges Argument, das fr die Verwendung von Du in Stellenausschreibungen angefhrt wird, ist die berchtigte Augenhhe. Personalleiter mchten durch das Duzen oft vermitteln: Hier behandeln wir niemanden von oben herab. Flache Hierarchien sind jedoch von der Art der Anrede weitestgehend unabhngig. Auch in einem Unternehmen, in dem das Sie an der Tagesordnung ist, knnen sich Mitarbeiter und Vorgesetzte auf Augenhhe begegnen.

Darber hinaus kann das Du in Stellenausschreibungen auch genau den gegenteiligen Effekt bewirken. Viele Ratgeber und Bewerbungscoaches empfehlen, fr das Bewerbungsanschreiben dennoch zum Sie zu greifen. Von oben duzen, von unten siezen das verstrkt die hierarchische Distanz, anstatt sie zu mildern. In der Umfrage von Careerbuilder gefielen 35,2 % der Teilnehmer das Du in Anzeigen grundstzlich nicht.

Wie lsst sich das Du gelungen in Stellenausschreibungen einsetzen?


Jugendliche, die noch in der Schule sind oder gerade erst ihren ersten Abschluss hinter sich haben, knnen sich durch das Du sicherer fhlen. Das Du ist deshalb in Anzeigen fr Praktika, Ferienjobs, Aushilfsgesuchen oder die Berufsausbildung in vielen Fllen sinnvoll.

In einigen Unternehmen gehrt das Du einfach zur Unternehmenskultur. Nicht umsonst ist der Umgang von Mitarbeitern und Vorgesetzten ein wichtiger Bestandteil der inneren Corporate Identity. In diesem Fall knnen Personaler den Bewerbern einen Hinweis in der Stellenausschreibung geben. Statt bei der knappen Eigendarstellung des Unternehmens nur von flachen Hierarchien zu sprechen ist zum Beispiel ein ausdrcklicher Verweis auf das verwendete Du mglich.

Personaler sollten sich darauf einstellen, ebenfalls geduzt zu werden, wenn sie in der Anzeige zur vertraulichen Anrede greifen. Dies ist noch nicht die Regel, sollte einem Bewerber jedoch nicht negativ angerechnet werden. Wenn die Personalabteilung ein sehr frmliches Bewerbungsanschreiben erwartet, sollte auch die Stellenanzeige entsprechend formuliert sein.





select if Personalberatung, 27.09.2017